Verbreitung | Luchstrail im Gesäuse

Verbreitung

 

Historische Verbreitung

Historisch besiedelten Luchse ganz Europa. Durch rigorose direkte Verfolgung wurden sie bis 1900 in Österreich und beinahe ganz Westeuropa ausgerottet. Der letzte historische Nachweis eines Luchses in der Steiermark stammt aus dem Jahr 1873. In Nord- und Osteuropa blieben sie jedoch Teil der heimischen Fauna.

Heutige Verbreitung

Vereinzelte Besuche von Karpatenluchsen in Österreich wurden ab 1956 nachgewiesen. Damals hemmte der Eiserne Vorhang noch die Wanderungen. In den 1970er Jahren wurden erfolgreich Luchspopulation in der Schweiz und in Slowenien begründet, eine in Österreich (Turrach) erfolgte Ansiedlung verlief nicht erfolgreich. Einige Jahre später, in den 1980er Jahren, wurden Luchse im Gebiet des heutigen Šumava-Nationalparks ausgewildert, und bildeten den Grundstock für eine Luchspopulation im Böhmerwald.  Rund 20 Tiere aus dieser Population werden im nördlichen Österreich (Mühl- und Waldviertel) nachgewiesen.  

Im Gebiet der Nördlichen Kalkalpen wurde man 1998 auf einen zugewanderten Luchs aufmerksam, einen Kuder (Männchen). Der Nationalpark Kalkalpen siedelte ab 2011 Luchse (Wildfänge) an, um eine Population zu begründen.  Diese Luchse reproduzierten zuerst erfolgreich, jedoch sind einige Luchse verschollen bzw. wurden nachweislich zwei Tiere illegal getötet. In den Jahren 2015, 2016, 2017 gab es keinen Nachweis von Reproduktion. 2018 konnte einmal ein einziges Jungtier mit einem Fotofallenbild nachgewiesen werden. Über dessen Verbleib weiß man jedoch nichts. Seither konnten wiederum keine Jungtiere nachgewiesen werden. 2021 lebte im Gebiet des Nationalpark Kalkalpen eine bedrohte Population von sechs Luchsen, momentan scheint diese Population auf 5 Tiere geschrumpft zu sein. Dazu kommen zwei bisher unbekannte Luchse, die im östlichen Gebiet des Luchs Trails nachgewiesen wurden. 2022 können wir also im Projektgebiet von insgesamt 7 Luchsen ausgehen.

Dieses kleine Luchsvorkommen braucht dringend eine Blutauffrischung und langfristig den genetischen Austausch mit anderen Populationen, um nachhaltig überleben zu können. Der Luchs Trail hilft mit, die Öffentlichkeit über diese bedrohte Tierart und die für deren Überleben notwendigen Maßnahmen zu informieren.

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Lebensraum

Luchse haben ihren bevorzugten Lebensraum in ausgedehnten Wäldern, die ihnen auch Beute bieten. In offenen Landschaften und Siedlungsnähe halten sie sich nicht dauerhaft auf. In der „wilden Mitte Österreichs“ gibt es diese ausgedehnten Waldgebiete und einen ausreichend hohen Wildbestand.

Als Einzelgänger beanspruchen sie ein Revier von 5.000-30.000 ha für sich. Die Größe eines Revieres wird vor allem von der Beutedichte bestimmt und variiert daher von Gebiet zu Gebiet. Die Reviere der Männchen sind deutlich größer als die der Weibchen. Männchen dulden keine gleichgeschlechtlichen Artgenossen im eigenen Revier, wohl aber potentielle Paarungspartner. Sie nehmen sehr weite Ortswechsel vor und können in einer Nacht 40 km weit wandern.

Leider ist die Lebensraumzerschneidung zwischen dem Böhmerwald und dem Kalkalpen soweit fortgeschritten, dass Luchse dazwischen nicht wandern und sich die beiden Populationen genetisch nicht austauschen können. Für eine gesicherte Zukunft der Luchse in Mitteleuropa wäre es wichtig, die Inselvorkommen zu vernetzen. Österreich bekommt da eine wichtige Rolle zugeschrieben.

Luchs & Beute

Das Nahrungsspektrum der Luchse reicht von Nagern, Füchsen, Hühnervögeln bis zu Huftieren von der Größe eines Hirschkalbs. In den Nördlichen Kalkalpen erbeutet der Luchs die beiden am häufigsten auftretenden Schalenwildarten: Rehe und Gams. Nutztiere sind nur sehr selten betroffen.

Der Luchs ist ein Lauer– und Pirschjäger und selektiert seine Opfer nicht. Geschwächte oder unerfahrene Tiere haben natürlich weniger Chancen einem Luchs zu entkommen. Nach einem kurzen Sprint und mit einem gezielten Biss in die Drossel wird die Beute getötet.

Luchse sind reine Fleischfresser und benötigen täglich 1-2 Kilogramm Nahrung. Damit sind sie gezwungen pro Woche ein Reh zu schlagen. Die Beute wird vom Luchs unter Blättern, Gras und Zweigen versteckt. Wird er nicht gestört, kommt er wieder und frisst sämtliches Muskelfleisch.  Knochen, Fell und Gedärme bleiben übrig.

Risse bleiben meist nicht unbemerkt. Nachnutzer wie Füchse, Rabenvögel etc. erschweren die Erkennbarkeit eines Luchsrisses meist deutlich.

Risiko für Menschen

Es gibt keine nachweisbaren Überlieferungen oder Berichte, dass wilde Luchse Menschen angegriffen hätten. Es gibt jedoch Dokumentationen, die zeigen, dass sich Luchse gegen Menschen wehren, wenn sie von diesen angegriffen werden. Freilaufende Hunde könnten unter gewissen Umständen vom Luchs getötet werden. Zum Beispiel um die eigenen Jungen zu schützen oder weil die Hunde versucht haben, den Luchs anzugreifen, oder auch als Nahrungsquelle. Das ist allerdings eine sehr große Ausnahme.

Steckbrief

Charakteristische Merkmale: an den individuellen Flecken sind die Individuen unterscheidbar

Name: Eurasischer Luchs (Lynx lynx)
Körperlänge: 80 – 120 cm
Schwanzlänge: 20 – 25 cm
Schulterhöhe: 50 – 70 cm
Gewicht: 17 – 26 kg
Höchstalter in freier Wildbahn: 14 – 17 Jahre
Anzahl Junge: 1 – 4
Geschlechtsreife: 2 Jahre (W), 3 Jahre (M)
Paarungszeit: Februar – April
Tragezeit: ca. 70 Tage